Verbraucher

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    08.03.2010
  1. Was halten Sie von der Herkunftskennzeichnung?

    Die Idee ist, dass die Hersteller die Herkunft aller „wertbestimmenden Zutaten“ angeben müssen. Man müsste zum Beispiel auf eine Konfitüre schreiben: „Die Erdbeeren stammen zu 80 Prozent aus Polen und zu 20 Prozent aus Deutschland.“ Ändert sich die Rezeptur, und sei es im Laufe einer Erntesaison, müsste man die Etiketten ändern. Das ist vollkommen undurchführbar und würde extreme Kosten verursachen. Was bringt das dem Verbraucher? Sicherlich gibt es Produkte, bei denen dem Verbraucher die Herkunft wichtig ist, zum Beispiel Spreewälder Gurken. Da nennt der Hersteller die Information ja schon freiwillig und wirbt sogar damit. Bei anderen Erzeugnissen ist allenfalls interessant, ob die Rohware aus der EU kommt, und damit die hier geltenden Qualitätskriterien und Gesetze erfüllt.

  2. Zur Haltbarmachung braucht man Konservierungsstoffe, oder?

    Das ist ein ärgerliches Missverständnis. Denn die Konservenindustrie darf nach dem Lebensmittelrecht gar keine Konservierungsstoffe nutzen. Unsere Unternehmen machen Lebensmittel ausschließlich mit klassischen Methoden haltbar, die man schon im Mittelalter kannte: Trocknen, Erhitzen, Einkochen, Einlegen in Essig oder Vergären mit Salz. In den Fabriken wird also nur im großen Maßstab gemacht, was die Hausfrau zuhause macht.

  3. Welche Position vertritt der Verband in der Diskussion um Bioenergie?

    Für uns ist die Konkurrenz um Anbauflächen ein wichtiges Thema, vor allem in den Kartoffelanbaugebieten. Denn immer mehr niedersächsische Kartoffelbauern schwenken auf Mais um, aus dem Biokraftstoff gewonnen wird, weil dies durch die öffentliche Förderung der Bioenergie für sie finanziell attraktiver ist. Zwar befürchten wir deswegen noch keine Rohstoffengpässe, aber wir behalten das Thema im Auge.

  4. Warum sind Sie gegen die Ampelkennzeichnung?

    Die Ampelkennzeichnung, bei der die Farben der Ampel signalisieren sollen, wie gesund ein Produkt ist, liegt zurzeit beim europäischen Parlament. Wir halten sie für völlig ungeeignet, um den Verbraucher zu informieren. Das lässt sich gut am Beispiel Sauerkraut zeigen: Weil es notwendigerweise einen relativ hohen Salzgehalt hat, würde es einen roten Punkt bekommen. Sauerkraut enthält aber auch sehr viel Vitamin C und ist anerkanntermaßen gut für den Darmtrakt. Auch Apfelmus hätte, obwohl ein natürliches Produkt, einen gelben Punkt, weil Äpfel viel Zucker enthalten. Die Ampelkennzeichnung würde Verbrauchern also bei der gesunden Ernährung eher im Wege stehen.

  5. Wäre eine CO2-Kennzeichnung nicht sinnvoll?

    Das ist eine komplizierte Frage. Angedacht ist ja eine Angabe, wie viel Klimagase bei Produktion, Handel und Konsum eines Produkts entstehen. In England gibt es das schon auf den ersten Produkten, in Deutschland haben wir uns dagegen immer gewehrt. Denn für die persönliche Umweltbilanz von Verbrauchern ist es entscheidender, ob sie für ihre Einkäufe möglichst wenige Kilometer mit dem Auto fahren, als die Frage, welche Lebensmittel sie kaufen. Übrigens: Pflaumen, die tiefgekühlt mit einem Containerschiff aus Chile kommen, haben einen geringeren CO2-Abdruck, als Äpfel, die aus dem Alten Land oder Südtirol per LKW angeliefert werden.

  6. Wie kommt das Sauerkraut in die Dose?

    Im Grunde machen unsere Hersteller es wie die Hausfrau, nur eine Nummer größer. Der Kohl wird – meistens von Hand – geerntet und in der Fabrik ebenfalls in Handarbeit verputzt, das heißt, es werden der Strunk und die äußeren Blätter entfernt. Dann wird er maschinell geschnitten, eingesalzen und per Fließband in riesige Gär-Bottiche aus Beton gebracht, die mit einer schweren Folie luftdicht abgeschlossen werden. Was die Hausfrau früher im Keller hatte, nämlich ein Sauerkrautfass, hat man nun ein paar Nummern größer.

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